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Auerochsen im |
Zur Zeit des Neandertalers gab es in Westeuropa zwei Rinderarten, mit denen er den Lebensraum teilte, und die er jagte, nämlich den Wisent (Bison bonasus) und den Auerochsen oder Ur (Bos primigenius).
Der Auerochse war lèichter zähmbar und in Herden bei der Menschensiedlung zu halten. So wurde er zum Haustier und zum Stammvater unserer heutigen Rinderrassen.
Dem wilden Auerochsen beschnitt der Mensch dann mehr und mehr den Lebensraum, indem er seine eigenen Siedlungen und Äcker ausdehnte und indem er die Weidegrunde seiner Herden gegen die Futterkonkurrenz der Wildtiere verteidigte.
Etwa 1627 soll der letzte wildlebende Auerochse getötet worden sein, damit war ein grol3es heimisches Wildtier ausgerottet.
Zoologen der Neuzeit, die Brüder Lutz Heck (Zoo Berlin) und Heinz Heck (Tierpark München-Hellabrunn) kamen dann 300 Jahre später zu der Überzeugung, man könne aus den Nachfahren des Wildtieres, also aus den vorhandenen Hausrinderrassen den Auerochsen "zurückzüchten". Heute muBte man richtiger sagen, sie begannen eine neue Rinderrasse zu selektieren, die möglichst viele Merkmale des ursprunglichen Wildtieres hat. Man nennt diese Rasse Heck-Rinder, oder, einprägsamer : Auerochsen.
Ins Wildgehege Neandertal kam 1953 der erste Auerochse aus dem Zoo Wuppertal. Leider läBt sich zur Zeit nicht rekonstruieren, ob Wuppertal seine Tiere von der Berliner oder der Münchner Zuchtlinie hatte, aber es sprechen einige Anhaltspunkte dafür, daB im Gehege Neandertal beide "Linien" zusammengeflossen sind. Die Brüder Heck hatten nämlich zwei verschiedene Zuchtpläne verwirklicht und so zwei Linien von Auerochsen erhalten.
Der Bestand im Neandertal entwickelte sich gut und erreichte in den achtziger Jahren sein Maximum mit ca. 25 Alttieren. Er muBte jetzt, um Überweidungsschaden auf den Wiesen im Naturschutzgebiet Neandertal zu vermeiden, auf 15 Alttiere reduziert werden. In guten Jahren kommen dazu natürlich dann bis zu 15 Kälber.
Nach wie vor ist das Neandertal eine der wichtigsten Zuchtstätten, denn nur hier kann lückenlos die genaue Abstammung aller Tiere zurückverfolgt werden bis 1953.
Früher wurde das internationale Zuchtbuch aus historischen Gründen in (Ost-) Berlin geführt, wo es aber nach dem Ende der "DDR" nicht weiter bearbeitet werden konnte. Das neue Zuchtbuch wird an der Veterinärhochschule in Nantes (Frankreich) geführt, und das Neandertal soll die Zentrale für den deutschen Sprachraum werden.
So werden wir uns hier weiter bemühen, den Besuchern den Auerochsen so zu präsentieren, wie er über Jahrtausende mit dem Menschen lebte. Das Museum Neanderthal, zu dem traditionell das Gehegb gehört, möchte sich jedenfalls der archäologischen und der kulturhistorischen Seite des Auerochsen dauerhaft annehmen.